Unternehmens­finanzierung: resiliente Strukturen, Wachstums- und Krisenfinanzierung

Unternehmensfinanzierung: resiliente Strukturen, Wachstums- und Krisenfinanzierung

Unternehmens­finanzierung: resiliente Strukturen, Wachstums- und Krisenfinanzierung

“Die Weisheit eines Menschen misst man nicht nach seinen Erfahrungen, sondern nach seiner Fähigkeit, Erfahrungen zu machen.”
George Bernard Shaw
irischer Dramatiker und Politiker (1856 – 1950)

Das Wichtigste auf einen Blick

Unternehmensfinanzierung umfasst die Beschaffung von Kapital, seine Steuerung und die Kontrolle seiner Verwendung – von der Existenzgründung über Wachstumsphasen bis hin zu wirtschaftlichen Krisenlagen. Die richtige Kombination von Eigenkapital, Fremdkapital und Mezzanine-Kapital entscheidet über Kapitalkosten, Liquidität, Bonität und strategischen Handlungsspielraum.

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Was ist Unternehmensfinanzierung? Definition und Grundlagen

Unternehmensfinanzierung bezeichnet die Bereitstellung, Planung und Kontrolle von Kapital, das benötigt wird, um die Geschäftstätigkeit einer Firma zu sichern und weiterzuentwickeln. Dabei wird unterschieden nach der Herkunft des Kapitals und der Rechtsstellung der Kapitalgeber:

Eigenkapital stammt aus dem Unternehmen selbst oder von Gesellschaftern, Fremdkapital wird von externen Geldgebern zu einem festgelegten Zinssatz bereitgestellt. Ergänzend kann Mezzanine-Kapital als Hybridform zum Einsatz kommen.

Was ist Unternehmensfinanzierung? Definition und Grundlagen

Die wichtigsten Finanzierungs­formen im Überblick

  • Innenfinanzierung: Selbstfinanzierung durch thesaurierte Gewinne, Anlagevermögen und/oder Working Capital (insbesondere Warenbestände und Debitoren-/Kreditorenmanagement) – stärkt die Eigenkapitalquote ohne Außenabhängigkeit.
  • Außenfinanzierung durch Eigenkapital: Beteiligungsfinanzierung durch neue Gesellschafter oder Investoren – keine Rückzahlungsverpflichtung, stärkt die Bonität.
  • Fremdfinanzierung: Bankkredite, Darlehen, Lieferantenkredite, Förderkredite – dieser Weg erlaubt volle Kontrolle und Eigentümerstellung, bringt aber Zinslast und Rückzahlungsverpflichtungen mit sich.
  • Mezzanine-Finanzierung: Nachrangkapital zwischen Eigen- und Fremdkapital – erhöht den Verschuldungsgrad weniger stark als klassisches Fremdkapital.
  • Factoring: Verkauf von Forderungen an spezialisierte Finanzdienstleister – verbessert die Liquidität ohne Kreditaufnahme bei Geschäftsbanken.
  • Leasing: Nutzung von Wirtschaftsgütern gegen Ratenzahlung – schont die Liquidität und das Eigenkapital und hält Kreditlinien frei.
  • Projektfinanzierung: zweckgebundene Finanzierung einzelner Vorhaben auf Basis des Cashflows des Projekts.
  • Die Art der Investition bestimmt dabei Laufzeit und Finanzierungsform: Für Anlagevermögen werden langfristige Kredite oder Leasing genutzt, für Umlaufvermögen kurzfristige Instrumente wie Kontokorrentkredit oder Factoring.

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Warum sollte die Unternehmens­­finanzierung in wirtschaftlich guten Zeiten ein Thema sein?

Diese Frage drängt sich auf, stehen doch in wirtschaftlich guten Zeiten, in denen Unternehmen Kapitalpolster bilden können, eher Themen wie Expansion, Investition und Personalbeschaffung auf der Agenda.

In guten Zeiten, in denen noch kein akuter Anlass dafür anliegt, über Finanzierung nachzudenken, bestehen allerdings erheblich mehr Gestaltungsmöglichkeiten zur sinnvollen Strukturierung der Unternehmensfinanzierung als in einer wirtschaftlichen Unternehmenskrise. Genau deshalb macht es Sinn, solche Zeiten auch dafür zu nutzen, die Finanzierungsstruktur ohne Zeitdruck zu optimieren.

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Welche Kriterien sollte ein ideales Finanzierungskonzept erfüllen?

Günstige Finanzierungskosten sind durchaus ein wichtiges Kriterium; es ist aber nicht das einzige und schon gar nicht das wichtigste Kriterium.

Von Bedeutung ist auch die Flexibilität, mit der zusätzliches Kapital erschlossen werden kann. Es gilt, einen klassischen Zielkonflikt zu lösen: Die Ziele „günstig“ und „flexibel“ haken sich, die Ziele „persönlich“ und „Alternativen“ ebenfalls. Bei dieser Optimierungsaufgabe müssen Kompromisse eingegangen werden, die eine Priorisierung erfordern.

Konkret bedeutet das: Vernünftig ist es in jedem Fall, die Abhängigkeit von einem einzelnen Finanzierungspartner zu vermeiden.

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Welche Kriterien sollte ein ideales Finanzierungskonzept erfüllen?

Praxisleitlinien zur resilienten Finanzierungs­struktur für kleine und mittlere Unternehmen

Um einen solchen Engpass zu vermeiden, haben sich einige präventive Maßnahmen bewährt, die Sie als praxisrelevante Leitlinien verstehen und nutzen können – dies gilt übrigens nicht nur für den etablierten Mittelstand, auch kleine Unternehmen und Gründer tun gut daran, sich frühzeitig mit präventiven Möglichkeiten zur Sicherung ihrer Finanzierungsstruktur zu befassen.

  • Bauen Sie unbedingt Geschäftsbeziehungen zu mindestens einem zweiten Finanzinstitut auf, um in einer Liquiditätskrise eine Alternative zu haben. Lassen Sie Zahlungseingänge auf Geschäftskonten bei mindestens zwei Kreditinstituten eingehen, halten Sie Ihre Ansprechpartner bei den Banken unaufgefordert informiert über die Unternehmensplanungen und Geschäftszahlen, und pflegen Sie die Beziehungen zu Ihren Ansprechpartnern.
  • Manche Unternehmen nutzen die Finanzierungsform des Factoring. Sie verkaufen ihre Debitorenforderungen an eine Factoring-Bank, um ihre Zahlungsziele deutlich zu verkürzen. Wenn Sie Factoring im Einsatz haben, sollten Sie es mit einem Institut betreiben, das von Ihrer Hausbank unabhängig ist. Trennen Sie diese beiden Finanzierungsgeschäfte nicht, könnte Ihre Geschäftsbank in ihrem Firmenverbund nämlich in kritischen Situationen auf die Idee kommen, Ihre Factoring-Linie herunterzufahren oder sie gar zu kündigen, um ihr Gesamtrisiko zu senken. Dadurch laufen Sie gerade dann, wenn der Cash knapp wird, in eine weitere Unterfinanzierung hinein.
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  • Trennen Sie Ihr Giro-Geschäft möglichst auch von Ihren Leasing-Vereinbarungen, um sich nicht einem Kreditinstitut transparent auszuliefern. Falls es tatsächlich dazu kommen sollte, dass Sie Ihr Kontokorrentkreditlimit ausreizen müssen, sollte Ihre Hausbank nicht unmittelbar Ihre Leasing-Verträge kündigen können, natürlich vorausgesetzt, dass Sie die vereinbarten Leasing-Raten bei Ihrem Leasing-Anbieter vereinbarungsgemäß zahlen.
  • Ziehen Sie rechtzeitig eine angemessene Cash-Reserve aus dem operativen Betrieb und damit aus dem direkten Zugriff von Banken heraus. Legen Sie die Cash-Reserve außerhalb Ihrer Hausbank so an, dass Sie zwar gewisse Zinserträge erzielen, Sie aber vor allem im Bedarfsfall kurzfristig darauf zugreifen können. Greifen Sie auf diese Reserven, die Sie außerhalb Ihrer Hausbank halten, wirklich nur in dem Fall zu, in dem Ihre Hausbank keine weiteren Mittel zur Verfügung stellt und Sie alle anderen Gelegenheiten, Liquidität zu generieren, ausgeschöpft haben. Oft fragt Ihre Hausbank in einer Liquiditätskrise nämlich nach finanziellen Gesellschafterbeiträgen als Voraussetzung für ein erweitertes Kreditengagement der Bank.
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Wachstums­finanzierung: Kapital gezielt für Expansion einsetzen

Wachstumsfinanzierung ist Geld, das gezielt für die Expansion eines Unternehmens bereitgestellt wird – dann, wenn das eigene Cashflow-Polster nicht ausreicht, um geplante Wachstumsprojekte umzusetzen. Sie ermöglicht kleinen und mittleren Unternehmen, schnell auf Veränderungen am Markt, auf neue Technologieentwicklungen oder Trendverschiebungen in ihrem Bereich zu reagieren, ohne auf organisches Wachstum beschränkt zu bleiben. Die Wachstumsfinanzierung verschafft Unternehmen Kapital, um Marktanteile zu erobern, Umsatz und Innovation zu beschleunigen.

Eine Wachstumsfinanzierung ist auch dann entscheidend, wenn Ihr Unternehmen in neue geografische Regionen oder Marktsegmente expandieren möchte. Sie mobilisiert Ressourcen, um im Wettlauf um Marktanteile nicht ins Hintertreffen zu geraten, und verteilt Risiken so, dass potenzielle Rückschläge das Unternehmen nicht existenziell gefährden.

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Krisenfinanzierung und Restrukturierungs­finanzierung: frischer Cash in der Unternehmenskrise

Ihr Unternehmen steuert erkennbar auf eine wirtschaftliche Krise zu oder befindet sich bereits darin? Sie brauchen dringend frischen Cash, um eine Insolvenz zu vermeiden, und Ihre Hausbank zeigt sich mehr als zögerlich? Gerade jetzt ist es wichtig, einen kühlen Kopf zu bewahren und kreativ zu werden. Sofern Ihr Unternehmen nicht schon insolvenzreif ist, gibt es nämlich noch realistisch umsetzbare, kurzfristig wirksame Gestaltungsmöglichkeiten.

Bewährte Maßnahmen zur Krisenfinanzierung und Sanierungsfinanzierung:

  • Forderungsmanagement: Treiben Sie fällige und überfällige Forderungen zügig ein. Ordnen Sie Rechnungen nach unstrittigen und strittigen Positionen und beginnen Sie mit den unstrittigen – hier lässt sich am schnellsten Cash mobilisieren.
  • Zahlungsziele verkürzen: Weisen Sie den Vertrieb an, mit Kunden vorübergehend kürzere Zahlungsziele zu vereinbaren, auch gegen Preiszugeständnisse. Bei Kunden mit noch nicht fälligen Rechnungen wirkt dieses Engagement am schnellsten.
  • Factoring: Sprechen Sie umgehend einen Factoring-Anbieter an, um Forderungen zu verkaufen und kurzfristig in Liquidität umzuwandeln. Dieser Schritt braucht Vorlaufzeit – leiten Sie ihn so früh wie möglich ein.
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Es gibt also durchaus Gestaltungsmöglichkeiten, die Liquidität auch in einer akuten Krisenlage noch zu sichern. Die Umsetzung ist allerdings ein gefährlicher Drahtseilakt, insbesondere, wenn Ihr Blick durch die Situation verengt ist. Deshalb empfiehlt es sich, Finanzexperten und Berater hinzuzuziehen, die die Mechanismen dieses Prozesses kennen und das Instrumentarium beherrschen.

Ganz wichtig: Ihr Unternehmen hat seine Krise durch die frische Liquidität noch lange nicht überwunden. Sie haben Ihrem Unternehmen lediglich Zeit erkauft, um nun wirksame leistungswirtschaftliche Sanierungsmaßnahmen einzuleiten. In der Regel liegen die wahren Ursachen für Unternehmenskrisen deutlich tiefer: Die Strategie oder das Geschäftsmodell sind nicht mehr geeignet, wirtschaftlich zu agieren, Strukturen stimmen nicht mehr und/oder die Fähigkeiten des Unternehmens sind nicht mehr marktgerecht.

Unsere Beratung zur Unternehmens­finanzierung

Die Thematik der Unternehmensfinanzierung ist komplex – in guten Zeiten wie in Krisenzeiten. Hier braucht es Fachwissen, Kreativität, Ideen und Entschlossenheit: Als erfahrene Berater unterstützen wir Sie dabei, die passende Finanzierungslösung für Ihre spezifischen Rahmenbedingungen zu finden, teure Fehler zu vermeiden und Ihre Finanzierungsstruktur vorausschauend zu optimieren. Wir analysieren Ihre Finanzkennzahlen, identifizieren Finanzierungslücken, bereiten Kreditunterlagen professionell vor und verhandeln mit Banken, Fördermittelgebern und alternativen Finanzierungspartnern auf Augenhöhe.

Gemeinsam mit Partnerunternehmen umfasst unser Beratungsangebot:

  • die Analyse der bestehenden Finanzierungsstruktur und die Identifikation von Abhängigkeiten und Risiken
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Sprechen Sie uns an – Ihre Finanzierung ist zu wichtig für Improvisation

Ob Sie Ihre Finanzierungsstruktur in ruhigen Zeiten optimieren möchten, Gründungskapital benötigen, Wachstumskapital für die nächste Expansionsphase suchen oder sich in einer wirtschaftlich angespannten Lage befinden und Liquidität sichern müssen: Die Wahl der richtigen Finanzierungsform sollte auf den individuellen Bedürfnissen und der tatsächlichen finanziellen Situation Ihres Unternehmens basieren – nicht auf Verfügbarkeit oder Gewohnheit. Sprechen Sie uns an , wir eruieren gemeinsam die passenden Möglichkeiten.

FAQ zur Unternehmens­finanzierung

Was versteht man unter
Unternehmensfinanzierung?

Unternehmensfinanzierung bezeichnet die Gesamtheit aller Maßnahmen zur Beschaffung, Steuerung und Kontrolle von Kapital in einem Unternehmen. Sie umfasst sowohl die kurzfristige Liquiditätssicherung als auch die langfristige Investitions- und Kapitalstrukturplanung. Unterschieden wird nach der Herkunft der Mittel (Innen- vs. Außenfinanzierung) und der Rechtsstellung der Kapitalgeber (Eigen- vs. Fremdkapital).

Was ist Wachstumsfinanzierung, und wann wird sie relevant?

Wachstumsfinanzierung wird relevant, wenn der eigene Cashflow nicht ausreicht, um geplante Wachstumsprojekte – Gründung, Expansion, Internationalisierung, neue Produkte oder Produktionskapazitäten – zu finanzieren und vorhandenes Wachstumspotenzial zu heben. Sie ermöglicht ein schnelles und effektives Skalieren und hilft dabei, im Wettlauf um Marktanteile nicht ins Hintertreffen zu geraten. Nicht nur kurz nach der Unternehmensgründung sind solche Finanzierungsmöglichkeiten aus unterschiedlichen Gründen relevant.

Instrumente der Wachstumsfinanzierung sind Bankkredite, Beteiligungsfinanzierung durch Investoren, öffentliche Förderkredite sowie Mezzanine-Kapital.

Was tun, wenn Banken in der Unternehmenskrise kein Kapital bereitstellen?

In kritischen Situationen, in denen Banken kein frisches Kapital mehr zur Verfügung stellen, existieren dennoch Finanzierungslösungen: Asset-basierte Finanzierer orientieren sich primär am Verkehrswert der Betriebsmittel, nicht am Unternehmensergebnis. Sale-and-Lease-Back ermöglicht Liquiditätszufluss aus betriebsnotwendigen Anlagegütern. 

Factoring mobilisiert Forderungen. Kurzfristige Maßnahmen wie die Verkürzung von Kundenzahlungszielen oder die Verlängerung von Lieferantenkrediten verschaffen zusätzlichen Spielraum. Eine professionelle Beratung ist in dieser Phase unverzichtbar.

Reverse-Factoring verlängert Zahlungsziele über die mit Lieferanten vereinbarten Zahlungsziele hinaus.

Was ist der Unterschied zwischen Eigenkapital und Fremdkapital?

Eigenkapital wird von Gesellschaftern bereitgestellt oder durch einbehaltene Gewinne gebildet. Es besteht keine Rückzahlungsverpflichtung, es stärkt die Bonität von Unternehmen und gibt ihnen Unabhängigkeit. Fremdkapital hingegen – Bankkredite, Darlehen, Förderkredite – muss verzinst und zurückgezahlt werden. Es ermöglicht Investitionen ohne Verwässerung der Eigentümerstellung, bringt aber Zinslast und Risiken mit sich. Ein ausgewogener Mix beider Finanzierungsquellen ist für Unternehmen im Mittelstand entscheidend.

Was ist Factoring, und für welche Unternehmen eignet es sich?

Beim Factoring werden offene Forderungen an ein spezialisiertes Finanzierungsunternehmen verkauft. Das Unternehmen erhält sofort Liquidität, ohne auf den Zahlungseingang seiner Kunden warten zu müssen. Dieses Mittel eignet sich besonders für kleine und mittlere Unternehmen mit langen Debitorenzahlungszielen, hohem Forderungsvolumen oder saisonalen Umsatzschwankungen. Wichtig: Factoring sollte möglichst über ein Institut ausgeführt werden, das von der Hausbank unabhängig ist.

Erfolg entsteht durch Kompetenz und vertrauensvolle Zusammenarbeit.

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